Halt finden
Die Urlaubszeit steht vor der Tür und für viele Skipper gibt es jetzt kaum etwas Schöneres, als den Tag in einer einsamen, malerischen Bucht ausklingen zu lassen und die Seele baumeln zu lassen. Doch zum echten Entspannen gehört vor allem eines: die Gewissheit, dass das Boot auf Position bleibt. Nur wer sicher sein kann, dass der Anker zuverlässig hält, findet in der Nacht auch den verdienten, ruhigen Schlaf.

Doch nicht jeder Anker hält überall gleich gut. Form, Gewicht und Material entscheiden darüber, ob das Eisen zuverlässig greift. Ebenso wichtig sind jedoch der Untergrund, ausreichend Kette und das richtige Ankermanöver. Moderne Ankerkonstruktionen bieten heute deutlich höhere Haltekräfte als viele klassische Modelle – dennoch hat jeder Ankertyp seinen idealen Einsatzbereich.

Pflugscharanker: Der Klassiker mit Tradition
Wie der Name schon sagt, arbeitet sich der Pflugscharanker mit seiner breiten Flunke in den weichen Untergrund – ähnlich einer Pflugschar. Der traditionsreiche CQR-Anker war über Jahrzehnte der absolute Standard auf Fahrtenyachten und zeichnet sich meist durch ein bewegliches Gelenk zwischen Schaft und Flunke aus.
Pflugscharanker gelten als robuste Allrounder und entwickeln auf Sand und festem Schlick eine zuverlässige Haltekraft. Auf felsigem Grund oder in dichten Seegrasfeldern stoßen sie jedoch an ihre Grenzen. Im Vergleich zu modernen Konstruktionen benötigen sie meist etwas mehr Gewicht, um dieselbe Haltekraft zu erzielen, und das Einfahren erfordert manchmal etwas Geduld.
Vorteile
robuste, extrem bewährte Konstruktion
gute Haltekraft auf Sand und Schlick; auf Kies nur eingeschränkt
bricht auch bei leichtem Schwojen oft nicht sofort aus
Nachteile
weniger geeignet für Seegras und Fels
höhere Gewichte erforderlich als bei modernen Konstruktionen
Gelenk-Varianten bergen theoretisch ein gewisses Klemmpotenzial
Passendes Produkt von Ascherl: Pflugscharanker (klassisch)

Delta-Anker: Der moderne Werftsstandard
Der Delta-Anker basiert zwar auf dem Pflugschar-Prinzip, unterscheidet sich aber in entscheidenden Details: Er besitzt einen starren Schaft und eine besonders schwere, ballastierte Spitze. Diese Kombination sorgt dafür, dass der Anker beim Fallenlassen meist in der richtigen Position auf dem Grund landet und sich schnell eingräbt. Er hat den klassischen CQR bei unzähligen Serienwerften als Standardanker ab Werft abgelöst.
Durch seine Geometrie baut der Delta-Anker schnell hohe Haltekräfte auf Sand und Schlick auf. Auch mit mäßig bewachsenem Untergrund kommt er oft besser zurecht als ältere Pflugschar-Modelle, wenngleich auch er in dichten Seegraswiesen oder auf reinem Fels an seine Grenzen stößt.
Vorteile
hervorragende, selbsttätige Positionierung und schnelles Eingraben
hohe Haltekraft durch starre Konstruktion und schwere Spitze
sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Nachteile
schwächer auf reinem Fels oder sehr dichtem Seegras
starrer Schaft benötigt passenden Platz auf der Bugrolle
Passendes Produkt von Ascherl: Delta-Anker und Delta-Anker Niro

Bruce-Anker / M-Anker: Die Krallenlösung
Mit seinen drei gebogenen Flunken erinnert der Bruce-Anker – auch als M-Anker bekannt – an eine Klaue. Er gräbt sich rasch in Sand oder Schlick ein und überzeugt durch unkompliziertes Handling. Ursprünglich wurde diese Konstruktion für Offshore-Bohrplattformen entwickelt, heute ist sie vor allem auf Motorbooten und kleineren Fahrtenyachten verbreitet.
Der Bruce-Anker dreht bei Windänderungen häufig mit, ohne sofort auszubrechen. Seine Haltekraft fällt jedoch geringer aus als bei modernen Hochleistungsankern, insbesondere auf hartem Untergrund oder in Seegras.
Vorteile
einfaches Handling
schnelles Eingraben
robust
Nachteile
geringere Haltekraft als moderne Anker
schwächer auf Fels und Seegras
Passende Produkte von Ascherl: M-Anker Stahl und M-Anker Niro

Bügelanker: Der moderne Allrounder
Der markante Überrollbügel sorgt dafür, dass dieser Ankertyp beim Ausbringen praktisch immer in der richtigen Lage aufsetzt. Die breite Flunke gräbt sich schnell tief ein und entwickelt bereits nach kurzer Strecke eine hohe Haltekraft.
Bügelanker zählen heute zu den leistungsfähigsten Konstruktionen am Markt. Sie halten auf Sand und Schlick hervorragend und setzen sich auch nach Winddrehern meist zuverlässig wieder fest. Gerade für Fahrtensegler, die häufig vor Anker übernachten, gelten sie als erste Wahl.
Vorteile
sehr hohe Haltekraft
schnelles Eingraben
zuverlässiges Verhalten bei Winddrehern
Nachteile
benötigt etwas mehr Platz auf der Bugrolle
höherer Anschaffungspreis
Passendes Produkt von Ascherl: Bügelanker

Klappanker: Kompakt und klassisch
Der Falt- oder Klappdraggen lässt sich platzsparend zusammenfalten und findet deshalb häufig auf Beibooten, kleinen Motorbooten oder als Reserveanker Verwendung.
Auf weichem Untergrund greift er ordentlich, auf Fels oder stark verkrautetem Grund erreicht er jedoch nur geringe Haltekräfte. Als Hauptanker größerer Yachten eignet er sich deshalb nur eingeschränkt.
Vorteile
platzsparend
leicht
günstig
Nachteile
begrenzte Haltekraft
nur bedingt als Hauptanker geeignet
Passendes Produkt von Ascherl: Faltklappanker

Plattenanker: Flach, aber effektiv
Der Danforth-Plattenanker wurde speziell für weichen Untergrund entwickelt. Zwei große bewegliche Flunken graben sich tief in Sand oder Schlick ein und erzielen dort eine erstaunlich hohe Haltekraft.
Dank seines geringen Gewichts eignet er sich hervorragend als Zweit- oder Heckanker. Er lässt sich flach verstauen und braucht wenig Platz. In Seegras oder Geröll verliert er seine Vorteile allerdings rasch, da sich die Flunken dort nur schwer eingraben können.
Vorteile
geringes Gewicht
hohe Haltekraft auf Sand und Schlick
ideal als Zweitanker
Nachteile
ungeeignet für Fels und Seegras
Gräbt sich nach Winddrehern nicht immer sofort neu ein
Passende Produkte von Ascherl: Fortress Plattenanker, BRIC Plattenanker und FAST Plattenanker
Worauf es beim Ankern außerdem ankommt
Der beste Anker nützt wenig, wenn das Ankergeschirr nicht stimmt. Eine ausreichend lange Kette sorgt dafür, dass der Zug möglichst flach auf den Anker wirkt und dieser sich tief eingraben kann. Als Faustregel sollte mindestens das Fünf- bis Siebenfache der Wassertiefe an Kette gesteckt werden – bei Starkwind oder schlechtem Ankergrund entsprechend mehr.
Ebenso entscheidend ist der Untergrund. Sand gilt als idealer Ankergrund, Schlick bietet ebenfalls sehr guten Halt. Schwieriger wird es in Seegras, wo sich viele Anker nicht richtig eingraben können. Auf Fels besteht hingegen die Gefahr, dass sich der Anker zwar verhakt, später aber nur schwer wieder lösen lässt.
Moderne Ankerkonstruktionen wie Bügelanker oder hoch entwickelte Pflugschar-Varianten wie der Delta-Anker entwickeln heute bei gleichem Gewicht deutlich höhere Haltekräfte als ganz klassische Modelle. Dennoch gilt: Entscheidend ist nicht allein die Form des Ankers, sondern die Kombination aus passendem Ankertyp, geeignetem Untergrund und einem sauber ausgeführten Ankermanöver.
Fazit: Welcher Anker der richtige ist, hängt vor allem vom Revier und den eigenen Gewohnheiten ab. Wer häufig auf Sand oder Schlick ankert und regelmäßig entspannte Nächte vor Anker verbringt, profitiert von einem modernen Bügelanker oder dem bewährten Delta-Anker. Klassische Pflugscharanker bleiben zuverlässige Begleiter, Bruce-Anker überzeugen durch unkompliziertes Handling und Plattenanker spielen ihre Stärken auf weichem Untergrund sowie als Zweitanker aus.