Antifouling richtig wählen: Überblick über alle Arten und Profi-Tipps
Selbstpolierend, Hartschicht, Dünnschicht oder Silikon? Wir geben Orientierung bei der Wahl des Antifoulings und Tipps beim System-WechselBevor es nach der langen Winterpause endlich wieder aufs Wasser geht, steht für viele Eigner noch eine weniger beliebte Aufgabe an – oder zumindest eine gute überlegte Entscheidung. Wer seinen Bootsrumpf vor Algen, Schleim, Seepocken oder Kalkröhrenwürmern schützen möchte, kommt um das Thema Antifouling nicht herum. Ohne passenden Schutz wächst der Bewuchs schnell. Das bremst, erhöht den Treibstoffverbrauch und sorgt für zusätzlichen Wartungsaufwand.
Die Auswahl ist groß, die Unterschiede sind oft fein und eine Fehlentscheidung kann teuer werden. Hier ein kompakter Überblick über die gängigen Systeme und die passenden Produkte aus dem Ascherl-Sortiment:

Selbstpolierendes Antifouling
Dieses System nutzt die Wasserbewegung während der Fahrt, um die oberste Schicht der Beschichtung kontinuierlich abzutragen. Dadurch werden immer frische Biozide freigesetzt.
Ideal für: Segelboote und Motorboote (bis zu einer Geschwindigkeit von ca. 25 Knoten)
Vorteile:
Gleichmäßige Wirkstofffreisetzung
Kein Schichtaufbau über die Jahre
Wartungsfreundlich: Oft reicht ein einfaches Überstreichen im Frühjahr
Nachteile:
Nicht für schnelle Gleiter geeignet, da die Schicht zu schnell abgetragen würde
Partikel geraten kontinuierlich ins Wasser
Produkte im Sortiment:

Hart-Antifouling
Nach dem Trocknen bildet Hart-Antifouling eine sehr harte, schleifbare Oberfläche. Die Biozide werden langsam aus der porösen Matrix herausgelöst, während die Farbschicht selbst erhalten bleibt.
Ideal für: schnelle Motoryachten, Regatta- und Trailerboote.
Vorteile:
Sehr abriebfest und belastbar
Geeignet für hohe Geschwindigkeiten, häufiges Reinigen, Trailern und Kranen
Lässt sich glatt schleifen
Nachteile:
Wirkung lässt mit der Zeit nach, da nur die oberen Schichten wirksam sind
Schichtaufbau bei jeder Anwendung; irgendwann bleibt nur mehr der Griff zum Schleifgerät.
Produkte im Sortiment:

Dünnschicht-Antifouling
Hier steht nicht die chemische Wirkung im Vordergrund, sondern eine besonders glatte Oberfläche, an der Organismen kaum Halt finden. Viele Produkte arbeiten mit wenig oder ganz ohne Biozide.
Ideal für: Binnengewässer, Regattaboote und Reviere mit geringerem Bewuchs bzw. Umweltauflagen.
Vorteile:
Extrem glatte Oberfläche und geringe Reibung für maximale Geschwindigkeit
Sehr geringer Schichtaufbau
Reduzierte Biozid‑Belastung
Nachteile:
Oft weniger effektiv in stark bewachsenen Salzwasserrevieren
Schwierig mit anderen Antifouling-Arten zu überstreichen (Haftungsprobleme)
Die Oberfläche muss absolut sauber und fettfrei vorbereitet sein
Produkte im Sortiment:

Silikon-Antifouling
Dieser moderne und umweltfreundliche Ansatz kommt komplett ohne Biozide aus. Die Beschichtung ist so "rutschig", dass der Bewuchs während der Fahrt einfach abfällt (Self-Cleaning-Effekt).
Ideal für: Umweltbewusste Eigner, moderne Yachten und Boote, die regelmäßig schnell gefahren werden
Vorteile:
Biozidfrei und besonders umweltfreundlich
Hält bei guter Pflege mehrere Saisonen
Geringer Reibungswiderstand
Mit dem Recharger lässt sich die Beschichtung neu aufladen
Nachteile:
Empfindlich gegenüber mechanischen Schäden
Anspruchsvolle Applikation
Empfehlung: Auftrag durch Fachbetrieb
Produkte im Sortiment:

Kann man das Antifouling-System wechseln?
Die Entscheidung für ein bestimmtes Antifouling sollte gut überlegt sein, da ein späterer Systemwechsel oft mit erheblichem Arbeitsaufwand verbunden ist. Während der Umstieg von einem Hartantifouling auf ein selbstpolierendes Produkt nach einem Anschliff meist problemlos möglich ist, ist der umgekehrte Weg (von Weich- auf Hartantifouling) aufgrund der instabilen Basis schwierig und erfordert oft das komplette Entfernen aller Schichten.
Besonders kritisch war früher der Wechsel von teflonhaltigen Dünnschicht-Systemen wie etwa dem inzwischen verbotenen VC 17m, da auf deren glatter Oberfläche kaum ein anderes Antifouling haftet. Hier bietet der Conversion Primer von Hempel eine effiziente Lösung: Er dient als Haftvermittler und ermöglicht den Umstieg von herkömmlichen oder teflonhaltigen Anstrichen auf moderne, biozidfreie Systeme wie Hempaspeed TF, ohne dass der Altanstrich mühsam bis auf das Gelcoat abgeschliffen werden muss. Bei silikonbasierten Systemen (wie Silic One) ist die Vorbereitung meist noch aufwendiger, wobei auch hier spezielle Primer den Systemwechsel deutlich erleichtern können.
Noch ein Tipp zum Schluss
Wer denkt, mit einem frischen Anstrich sei es getan, liegt falsch. Mindestens ebenso wichtig wie die Wahl des richtigen Produkts ist der fachgerechte Aufbau – also die passende Grundierung, ein geeigneter Primer und ein sauber vorbereiteter Untergrund. Auch die Verarbeitung spielt eine zentrale Rolle: Temperatur, Überstreichintervalle und Trocknungszeiten müssen genau eingehalten werden. „Eine sorgfältige Vorbereitung und fachgerechte Verarbeitung sind entscheidend für die optimale Schutzwirkung. Fehler in diesem Bereich führen oft zu schlechten Ergebnissen, selbst bei hochwertiger Farbe“, betont Gerhard Ascherl.
Fazit
Ein Patentrezept gibt es nicht. Bei der Wahl des Antifoulings sollte man sich folgende Fragen stellen: Wie oft fahre ich wirklich? Wo liegt mein Boot - im Süß- oder Salzwasser? Wie schnell bewegt sich mein Boot? Bin ich eher pragmatisch oder penibel? Gelten in meinem Revier Umweltauflagen? Die gute Nachricht: Die Vielfalt der Produkte erlaubt heute maßgeschneiderte Lösungen. Die schlechte: Man muss sich kümmern. Ein Gespräch mit dem Fachhändler hilft oder ein Blick in eine gut sortierte Werkstatt.
Alle weiteren Fragen zu Antifoulings werden hier beantwortet: