„Moderne Technik schenkt Freiheit, macht das Leben aber auch komplizierter“

Doris Renoldner und Wolf Slanec, besser bekannt als die Seenomaden, leben seit Jahrzehnten auf ihrem Segelboot und haben auf mehreren Weltumsegelungen mehr als 150.000 Seemeilen zurückgelegt. Seit den Anfängen des Unternehmens vor 37 Jahren verbindet sie eine enge Partnerschaft mit Ascherl. Dass diese bis heute besteht, zeigt auch der aktuelle Katalog, der mit Bildern ihrer Reisen illustriert wurde.
Aktuell sind die beiden in Melanesien unterwegs, genauer gesagt auf den Salomonen und in Papua-Neuguinea. Im Interview erzählen sie, warum das Reisen heute anders ist als früher, weshalb sie seit über 20 Jahren auf denselben Generator vertrauen und warum gutes Tauwerk wichtiger ist als die neueste Bordelektronik.
Was fühlt sich auf eurer aktuellen Reise anders an als früher – obwohl ihr eigentlich das Gleiche tut?
Seenomaden: Wir sind älter geworden – vorsichtiger, langsamer und bedächtiger. Gleichzeitig hat sich das Reisen selbst verändert. Mit jeder technischen Errungenschaft ist die Welt ein Stück kleiner geworden. Früher segelten wir mit Sextant und Papierkarten, heute gehören GPS, Plotter, Satellitentelefon, Starlink und unzählige Apps selbstverständlich dazu. Das macht vieles einfacher, lockt aber auch viel mehr Menschen aufs Meer.
Dadurch hat sich auch der Tourismus verändert. Durch den Massentourismus wird das Reisen ad absurdum getrieben. Es gibt immer weniger Orte auf der Erde, an denen Begegnungen einfach entstehen. Stattdessen sind es oft Geschäftsbeziehungen, für die man zahlen muss, sei es für eine Wanderung oder einen Ankerplatz. Reisen ist generell teurer geworden, und auch unsere eigenen Ansprüche sind mitgewachsen.
Hat sich dadurch auch eure Sicht aufs Unterwegssein verändert?
Seenomaden: Eigentlich nicht. Wir sind nach wie vor unglaublich gerne mit unserem Boot unterwegs. Die Freude am Reisen ist dieselbe geblieben, nur die Rahmenbedingungen haben sich verändert.
Es gibt durchaus noch weiße Flecken. Gerade deshalb sind wir derzeit in Melanesien unterwegs, genauer gesagt auf den Salomonen und in Papua-Neuguinea. Wir entdecken Regionen, die wir bisher noch nie besucht haben.

Was bedeutet „entdecken“ im Jahr 2026 überhaupt noch?
Seenomaden: Es hat eine andere Bedeutung bekommen. Früher ließ man sich viel stärker überraschen. Heute findet man im Internet schon vor der Abreise Informationen über nahezu jeden Winkel der Erde. Oft weiß man fast zu viel und reist mit einer gewissen Voreingenommenheit los. Man sich bewusst dafür entscheiden, sich trotzdem noch überraschen zu lassen.
Hat euch die jahrzehntelange Erfahrung gelassener oder vorsichtiger gemacht?
Seenomaden: Beides. Wir sind gelassener und entspannter geworden, weil wir wissen, was wir unserem Schiff und uns selbst zumuten können. Gleichzeitig sind wir heute vorsichtiger als früher. Wir haben im Laufe der Jahre einiges erlebt und auch manche Lektion auf See gelernt.
Eure Energieversorgung besteht aus Solar- und Windenergie sowie einem Generator. Warum setzt ihr trotz dieser erneuerbaren Energiequellen noch immer auf einen Generator?
Seenomaden: Wir haben vier Solarpaneele und einen Windgenerator. Aber wenn – so wie heute – Regen fällt und kein Wind weht, reicht das eben nicht aus. Dann kommt unser kleiner 1.000-Watt-Honda-Generator (LINK: https://ascherl.at/shop/elektrik-beleuchtung/energieerzeugung-management/generator-eu-10i/) zum Einsatz. Er begleitet uns seit mehr als 20 Jahren und ist aus unserem Bordalltag nicht wegzudenken. Heute werden wir den Generator anwerfen, um gleich ein bisschen Staub zu saugen.
Praktisch ist auch, dass er so klein und leicht ist. Wir nehmen ihn immer wieder mit an Land und helfen damit Einheimischen aus. Außerdem können wir in Ländern mit 120-Volt-Netz, etwa in Kanada oder den USA, damit unsere Elektrowerkzeuge wie Schleifmaschine, Flex, Stichsäge, etc. betreiben.

Wie hat sich euer Verhältnis zur Technik verändert?
Seenomaden: Moderne Technik schenkt Freiheit. Ein Wassermacher oder zuverlässige Wetterinformationen sind auf Langfahrt sehr hilfreich. Gleichzeitig macht Technik das Leben auch komplizierter, weil immer etwas gewartet oder repariert werden muss.
Starlink ist dafür ein gutes Beispiel. Es ist natürlich angenehm, jederzeit aktuelle Wetterdaten abrufen zu können. Gleichzeitig verbringt man jedoch viel mehr Zeit im Internet und ist ständig erreichbar. Das verändert das Leben an Bord.
Was zeichnet für euch gute Ausrüstung aus?
Seenomaden: Sie muss funktionieren – auch nach vielen Jahren. Bei den Leinen setzen wir seit Langem auf Liros-Tauwerk. Wir achten sehr gut auf unsere Leinen und vermeiden Schamfielen, deshalb halten sie bei uns auch erstaunlich lange. Wir tauschen unsere Leinen ungefähr alle zehn Jahre aus. Zum Glück ist uns noch nie eine gerissen.
Welche Fehler beobachtet ihr bei Langfahrt-Einsteigern immer wieder?
Seenomaden: Das lässt sich nicht verallgemeinern. Jeder macht das auf seine Weise. Aber uns fällt schon auf, dass es oft an Seemannschaft und am Respekt vor den Naturgewalten fehlt. Bei vielen ist die Törnplanung zu ehrgeizig. Sie möchten zu viel in zu kurzer Zeit erreichen. Dabei macht es doch den Reiz des Fahrtensegelns aus, sich ohne Termindruck treiben zu lassen.

Ich würde jedem raten, sich langsam an die Komplexität des Fahrtensegelns heranzutasten. Man braucht weder das größte Boot noch jeden Schnickschnack an Bord. Es ist viel besser, zuerst einmal zu segeln, alles auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. Dann erkennt man schnell, was man tatsächlich an Bord braucht.
Es lohnt sich, den Fokus aufs Segeln an sich zu lenken. Wenn in YouTube-Videos killende Segel und nicht durchgesetzte Fallen zu sehen sind, dann stimmt etwas Grundsätzliches nicht. Gute Seemannschaft ist durch keine teure Technik zu ersetzen.
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