Unsichtbare Gefahr: Wenn Strom Ihr Boot frisst
Beim Auskranen fällt auf, dass die Opferanode stärker abgetragen ist als erwartet. Vielleicht zeigt der Propeller erste matte Stellen oder der Saildrive kleine Korrosionsspuren. Nichts, was auf den ersten Blick alarmierend wirkt. Tatsächlich kann der Korrosionsprozess jedoch schon lange im Gange sein – unsichtbar und oft begünstigt durch den Landstromanschluss im Hafen.
Zwei Arten von Korrosion
Korrosion ist ein elektrochemischer Prozess. Sind unterschiedliche Metalle elektrisch miteinander verbunden und befinden sich im Wasser, entsteht eine galvanische Zelle. Das unedlere Metall korrodiert und schützt das edlere. Genau dieses Prinzip nutzen Opferanoden.
Problematisch wird es, wenn dieser Vorgang unkontrolliert abläuft. Dann spricht man von galvanischer Korrosion, die Propeller, Wellen oder Saildrives langsam, aber stetig angreift.
Davon zu unterscheiden ist die Streustromkorrosion. Sie entsteht durch unerwünschte elektrische Ströme, meist im Zusammenhang mit dem Landstrom. Diese Form verläuft deutlich schneller und kann innerhalb kurzer Zeit erhebliche Schäden verursachen.
Wenn Landstrom zum Risiko wird
Der Landstromanschluss sorgt für Komfort an Bord, verbindet das Boot aber gleichzeitig mit dem elektrischen System der Steganlage. Fehlerhafte Installationen an Bord, Defekte in der Hafenanlage oder Probleme auf Nachbarbooten können dazu führen, dass Ströme über das Wasser abfließen. Besonders gefährdet sind Aluminiumbauteile wie Saildrives und Z-Antriebe, aber auch Propeller und Wellen.

Opferanoden schützen – wenn sie richtig arbeiten
Opferanoden sind der wichtigste Korrosionsschutz unter Wasser. Voraussetzung ist jedoch eine einwandfreie elektrische Verbindung zum zu schützenden Bauteil und die richtige Platzierung.
Eine Anode, die nach einer Saison kaum Abnutzung zeigt, ist alles andere als ein gutes Zeichen. Im Gegenteil: Fehlt der Materialverlust vollständig, kann das darauf hindeuten, dass die Schutzwirkung ausbleibt.
Die elektrische Anlage im Blick behalten
Korrosionsprobleme entstehen häufig durch Mängel in der Bordelektrik: lose Verbindungen, beschädigte Kabel oder Fehler in der Erdung. Auch dauerhaft angeschlossener Landstrom ohne geeignete Schutzmaßnahmen kann das Risiko erhöhen.
Abhilfe schaffen galvanische Isolatoren, die kleine Gleichströme über den Schutzleiter blockieren, oder Trenntransformatoren, die das Bordnetz vollständig vom Landstrom trennen und den umfassendsten Schutz bieten.
Regelmäßig kontrollieren
Korrosion entwickelt sich schleichend und bleibt lange unbemerkt. Deshalb sollten Anoden und Unterwasserbauteile bei jedem Auskranen sorgfältig überprüft werden (und keinesfalls überstrichen werden!). Sowohl ungewöhnlich starker als auch fehlender Materialverlust der Anoden kann auf Probleme im Schutzsystem hinweisen.

Tipp: Wer den Zustand seines Korrosionsschutzes nicht nur optisch beurteilen möchte, kann ihn professionell überprüfen lassen. Die Firma Ascherl bietet außer einem breiten Sortiment an Opferanoden für nahezu alle Bootstypen, galvanischen Isolatoren sowie Trenntransformatoren auch ein Messgerät mit selbst entwickelter Software an, das von Werften gemietet werden kann. Damit lässt sich feststellen, ob das Anodensystem korrekt arbeitet oder ob Handlungsbedarf besteht.
Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit
Kontakt zu Messungen für Werften:
+43 5574 89900-44